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(Kinder)Ärzte lernen nichts über Stillen und Babyernährung!

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Ich weiß, der Titel ist provokativ – und trotzdem ist es wahr: Medizinstudenten lernen in ihrem Studium nichts über das Stillen oder die altersgerechte, normale Ernährung von Babys und Kleinkindern! Nicht einmal Kinderärzte lernen dies in ihrer Facharzt-Ausbildung! Woher ich das weiß? Es gibt Weiterbildungsordnungen, die genaue Informationen darüber enthalten, was Teil der Facharztausbildung ist. Zu finden sind diese zum Beispiel hier, hier oder hier. In keiner dieser Vorgaben steht auch nur annähernd etwas über das Stillen oder die Ernährung von gesunden Babys und Kindern! Trotzdem geben die allermeisten Kinderärzte – gefragt oder ungefragt – Informationen zum stillen, abstillen und der Ernährung von Babys heraus.

Wie kann das eigentlich sein? Und woher haben Sie ihr Wissen?

Entweder, sie verlassen sich – wie so viele andere Menschen auch – auf das, was sie so hören, auch Allgemeinwissen genannt oder sie besuchen Fortbildungen zum Thema Säuglings- und Kinderernährung. Diese Fortbildungen werden vor allem von Firmen veranstaltet, die unter anderem davon leben, Muttermilchersatzprodukte zu verkaufen. Firmen, die zusätzlich davon leben, Fertigbreie, Gläschen, komplette Kinderfertigmahlzeiten und gezuckerte Tees zu verkaufen. Firmen, die auf ihre Fertignahrung „ab dem 4. Monat“ schreiben dürfen und die unglaublich davon profitieren, wenn sie Eltern schon ab dem 4. Monat – anstatt erst ab dem sechsten – Gläschen und Breie verkaufen können. Klingt unglaublich? Ist aber so! Hier und hier findet ihr Beispiele für diese Fortbildungen – nicht dass noch jemand behauptet, ich hätte mir das ausgedacht…

„Wie jetzt? Und solche gewinnorientierten Konzerne bringen dann Ärzte etwas über Ernährung bei? Und auch mein Kinderarzt ist unter Umständen von einer solchen Firma in Bezug auf Ernährung ausgebildet worden?“ fragt ihr euch jetzt vermutlich? Zu recht! Da die normale Ernährung eben kein Teil des Studiums bei Ärzten ist, aber man zumindest als Kinderarzt doch mal etwas darüber gehört haben sollte, besucht man eben die Fortbildungsveranstaltungen die angeboten werden. Und das sind kostenlos leider nur die von Konzernen, die sich aus Gewinngründen mit Babyernährung beschäftigen –  und nicht, weil sie Ärzte oder Eltern möglichst umfassend informieren wollen! Das muss mal so deutlich gesagt werden, denn mit 6 Monaten vollstillen und der babygeleiteten Beikosteinführung am Familientisch lässt sich nun mal absolut kein Geld verdienen.

Die Ernährungsfortbildung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die von einer IBCLC-Stillberaterin durchgeführt wird kostet zwischen 50€ und 125€ – und wer will die schon bezahlen, wenn die anderen Fortbildungen doch kostenlos sind? 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt nach wie vor für die gesamte Welt 6 Monate vollzustillen (oder Pre-Nahrung zu geben), dann langsam und unter dem Schutz der Muttermilch mit der Beikosteinführung zu beginnen und bis zum 2. Geburtstag (und darüber hinaus so lange Kind und Mutter es möchten!) mitzustillen.

Wie komisch, dass hier in Deutschland,wo Ärzte in Ernährungsfragen von Firmen weitergebildet werden, die mit Babynahrung ihr Geld verdienen, diese so häufig empfehlen, schon ab dem 4. Monat mit der Beikost zu beginnen…

Übrigens gibt es auch keinerlei Begrenzungen was zum Beispiel den Zuckergehalt in Babynahrungsmitteln angeht. So sind in Fertigbreien und „Babykeksen“ gerne mal 30g Zucker pro 100g enthaltendie empfohlene Tagesdosis für einen Erwachsenen

P.S.: Es geht mir im übrigen nicht darum, sämtliche Kinderärzte schlecht zu machen sondern darum, euch Mamas zu informieren, damit ihr mit euren Ärzten in einen guten Dialog kommen könnt warum ihr zB lieber den WHO-Empfehlungen vertraut!

Ingrid Schossmann, Allgemeinmedizinerin: Leider kann ich das aus eigener Erfahrung aus Studium und Ausbildung nur bestätigen. Ich denke es gibt ein paar wenige KIÄ die sich an den richtigen Stellen fortbilden, der Rest ist nur besser wenn eigene Erfahrung mit Kindern und Stillen da ist.

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24 Comments

  • Reply
    Anja
    23. Juni 2015 at 20:55

    Ein sehr provokanter Artikel auf den ersten Blick. Doch schon der unmittelbar zweite Blick läßt mir den Mund offen stehen. Es ist unfassbar. Danke!

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  • Reply
    Christina
    23. Juni 2015 at 23:48

    Super auf den Punkt gebracht, danke! Und für einige ärztliche Kollegen sehr zutreffend, leider.
    Vorweg, es gibt auch viele Kinderärzte und Gynäkologen, die einigermaßen Ahnung vom Stillen haben. Das aber oft eher durch eigene Erfahrungen oder eigene Initiative, eher nicht aufgrund ihrer Ausbildung.
    Mein Wunsch an die Ärzte: Zugeben, wenn sie bei einem Thema nicht so sehr erfahren sind (und an IBCLC oder Hebamme verweisen), oder sich entsprechend fachlich fortbilden, aber sich bitte nicht von der Babynahrungsidustrie um den Finger wickeln lassen.

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  • Reply
    Elien Rouw
    24. Juni 2015 at 11:09

    Das Problem ist wirklich, dass unabhängige Information (nicht über Hipp und Co) sehr schwer finanzierbar ist, da wir bis jetzt kaum unabhängige Sponsoren (Krankenkassen, Bund, Länder und Kommunen, aber eventuell auch non-Profit Einrichtungen) finden können. Wer dazu Ideen hat: bitte direkt bei mir melden :-). Ansonsten gilt (leider) folgender Artikel: http://www.internationalbreastfeedingjournal.com/content/9/1/22: the high cost of half hearted-breastfeeding Promotion in Germany.

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  • Reply
    Steffi Judex
    24. Juni 2015 at 14:55

    Auf die Gefahr hin, jetzt gesteinigt zu werden, muss ich hier trotzdem mal in aller Deutlichkeit widersprechen. Mein Mann ist Kinderarzt und mit Abstand einer der härtesten Kritiker der Babynahrungsindustrie, die ich kenne. Gerade was zuckerhaltige Folgenahrungen, Babykekse, süße Breie, etc.. anbelangt. Ich Und die meisten seiner Kollegen, die mir bekannt sind, denken da ähnlich. Nur ist man als Kinderarzt eben auch nicht nur mit Idealfällen konfrontiert, sondern eben auch mit Müttern, die z.B. gar nicht stillen wollen (oder vielleicht auch wirklich nicht können) – denen muss man als Kinderarzt meiner Meinung nach trotzdem positiv gegenüberstehen, muss sich mit den verschiedenen Flaschennahrungen auskennen und darf ihnen vor allem kein schlechtes Gewissen machen. Das nennt man Professionalität und die muss in alle Richtungen funktoinieren. Ich habe auch noch nie von ihm gehört, dass Fertigbreie, selbstgekochtem Essen vorzuziehen sei, durchaus aber, dass es eine Alternative sein kann (!). Und worauf (Inhaltsstoffe, etc…) man achten sollte, damit es eine “gute” Alternative ist. Und auch hier gilt wieder: in alle Richtungen offen und flexibel bleiben. Es gibt Gläschen, die rein vom Inhalt als gesunde Babynahrung einzustufen sind. Und es gibt Rezepte (gestern ist mir zum Beispiel eines für Babykekse untergekommen) in Gruppen oder Foren für sogenannte gesunde Beikost, da stehen einem alle Haare zu Berge, wenn man liest, was da alles reinkommt. Oder auch Empfehlungen von einer Stillberaterin, die mir einreden möchte, es sei echt nicht gut, meinem elf Monate altem Baby auch mal frische Erdebeeren (sie verträgt sie gut) zu geben, weil die nicht auf ihrem natürlichen Speiseplan stünden?! Versteht ihr, worauf ich hinausmöchte?

    Alle Ärzte, auch Kinderärzte haben übrigens eine Fortbildungspflicht und müssen pro Jahr eine gewisse Anzahl von Fortbildungspunkten einreichen, um ihre Kassenzulassung nicht zu verlieren. Und die lassen sich definitiv nicht mit gesponsorten Vorträgen alleine erreichen. Die zwei großen pädiatrischen Kongresse in Brixen z.B., die jedes Jahr von mehreren hundert deutschen Kinderärzten besucht werden, kosten auch mehrere hundert €uro, um eben qualitativ gute Fortbildungen zu bieten, oft auch zu Ernährungsfragen. Da kann sich jeder der sich dafür interessiert gerne selber informieren… Ich finde es ein bißchen unfair, einfach mal so zu unterstellen, dass Ärzte mehr oder weniger generell zu knausrig wären, für eine gute Fortbildung zu bezahlen, wenn sie doch das schlechtere Äquvalent umsonst bekommen (was übrigens so seit ein paar Jahren gar nicht mehr erlaubt ist). Klar gibt es immer “schwarze Schafe”, die gibt es überall. Und es kann ja auch jeder gerne seinen Kinderarzt darüber befragen, woher er/sie denn die Qualifikation für Ernährungsratschläge nimmt. Ich finde es nur nicht in Ordnung, generell erst einmal zu unterstellen, dass diese immer von Hipp und co. geprägt sind…

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    • Reply
      gaertnerin_Lena
      24. Juni 2015 at 15:02

      Hallo Steffi,
      hat dein Mann denn sein Wissen über Ernährung und Stillen im Studium bzw. während der Facharztausbildung gewonnen oder hat er sich aus eigenem Interesse in dieser Thematik fortgebildet?
      Ich sage in diesem Artikel NICHT,dass grundsätzliche alle Ärzte in Ernährungsfragen schlecht ausgebildet sind. Aber die Fortbildungspunkte können sie sich auch durchaus mit nicht Ernährungsrelevanten Themen gutschreiben lassen und mir stellen sich die Haare zu Berge, so oft wie ich TÄGLICH lese: “Mein (Kinder)Arzt hat gesagt ich soll abstillen/mit 17 Wochen Beikost einführen/Muttermilch hat nach x Monaten keine Nährstoffe mehr/Medikament xy kann ich nicht nehmen weil ich stille/ich soll für eine Behandlung wiederkommmen, wenn ich abgestillt habe/ich soll meinem 8 Wochen alten Baby Tee geben etc.

      Wenn tatsächlich alle Ärzte so gut in Ernährungsfragen ausgebildet wären frage ich mich ernsthaft, wie es dann zu diesen ganzen falschen Informationen kommen kann, die da von Ärzten weitergegeben werden?

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  • Reply
    Carmen
    24. Juni 2015 at 18:59

    Danke Steffi! Ausserdem ist die Aussage dieses Blogbeitrages falsch. Die Weiterbildungsordnungen werden von den einzelnen Ärztekammern der Bundesländer erlassen. Ich kenne nicht alle im Detail, in den meisten ist jedoch ein Kurs zur Ernährungsmedizin Pflicht. Und in diesem Kurs ist die Ernährung des Säuglings (und der stillenden Mutter) sehr wohl Inhalt. http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/CurrErnaehrungsmedizin20070704neu.pdf
    Sicher ist dort nicht die Zeit im Detail auf alle Besonderheiten einzugehen, aber zumindest der Überblick wird gelehrt.
    Inwieweit jeder einzelne Kinderarzt die Inhalte dort mitgenommen hat, oder überhaupt, aufgrund der während seiner Weiterbildungszeit geltenden WBO dazu verpflichtet war, teilzunehmen, kann man nicht sagen. Aber es ist eine falsche Unterstellung, Kinderärzte würden per se während ihrer Weiterbildung NICHTS zum stillen/Säuglingsernährung lernen und ich finde, man sollte mit solchen Aussagen, gerade wenn man einen in einer bestimmten Szene doch recht frequentierten Blog betreibt, doch wesentlich vorsichtiger umgehen.

    Viele Gruesse,
    Carmen

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    • Reply
      gaertnerin_Lena
      24. Juni 2015 at 21:48

      Hallo Carmen,
      ich habe mir die Weiterbildungsordnungen von 3 Bundesländern angesehen (die auch auch im Aritkel verlinkt habe) und habe dort nur etwas über enterale und parenterale Ernährung gefunden – also besondere Ernährung im Krankheitsfall. Und nichts über eine verpfllichtende Teilnahme an dem von dir verlinkten Kurs. Die einzigen Jahreszahlen, dass ich in diesem PDF gefunden habe waren 2004 und 2007 – also können wir wohl davon ausgehen, dass es diesen Kurs vor 2004 nicht gegeben hat. Wieviele der heute praktizierenden Ärzte ihn also absolviert haben – wenn denn überhaupt, wie du selber sagst – lässt sich also kaum sagen, besonders viele können es aber nicht sein, wenn diese Regelung seit grade mal 10 Jahren in Kraft getreten ist. Zumal, wie du ja auch sagst, genau 1 Stunde – also 60 Minuten – für folgende Themen veranschlagt sind: 2.4 Ernährung bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen (1h)
      Kursziele
       Ernährungsmedizinisch relevante Grundlagen des Kindes- und Jugendalters (Wachstum,
      Entwicklung, unmittelbare und langfristige Auswirkungen der Ernährung / Metabolische
      Programmierung, alters- und geschlechtsabhängige Veränderungen des Nahrungs- und
      Nährstoffbedarfs)
       Vermittlung von Kenntnissen zur Säuglingsernährung (Stillen, Säuglingsmilchnahrungen, Beikost,
      Übergang zur Familienkost, Supplementierung von Vit. K, Vit. D, Fluorid)
       Information über wünschenswerte Ernährung im Klein- und Schulkindalter und in der Adoleszenz mit
      Informationen zu kritischen Nährstoffen (Eisen, Jod, Folate, Vit. D)
       Informationen zur Prävention wichtiger ernährungsmitbedingte Krankheiten im Kindes- und
      Jugendalter (Karies, Rachitis, Adipositas, Allergien)
       Information über vegetarische Kostformen bei Kindern und Jugendlichen
       Ernährung Früh- und Mangelgeborener, bei kindlichen Gedeihstörungen, Nahrungsmittelallergien
      und ihre Therapie, Ernährungstherapie chronisch entzündlicher Darmerkrankungen im Kindes- und
      Jugendalter, enterale und parenterale Ernährung bei Kindern und Jugendlichen
       Befähigung zur Erkennung relevanter Probleme bei der Ernährung von gesunden und kranken
      Kindern sowie Jugendlichen und zur Entscheidung, welche Patienten einem Facharzt

      wie dabei jemand ernsthaft etwas über das stillen und die normale, altersgerechte Ernährung lernen will ist mir ein absolutes Rätsel!

      Viele Grüße
      Lena

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  • Reply
    Eine Kinderärztin
    24. Juni 2015 at 21:59

    Das sind schwere Vorwürfe. Leider wahrscheinlich zum Teil zu Recht. Nun hat sich sehr viel getan und ich glaube, die Ärzteschaft beginnt, neue Wege zu gehen.
    Empfiehlt ein Kindrarzt die Breieinführung ab dem 4. Monat dann deshalb, weil es in diesem Alter eine Allergiepräventionswahrscheinlichkeit gibt. Ein Abstillen ist damit nicht gemeint. Das sollte sicher jeder für sich entscheiden. Eine zusätzliche Nahrung (Beikost – natürlich auch selbst gekocht!) neben der Muttermilch ist ab einem bestimmten Alter nun einmal notwendig.
    Hört auf mit der Pauschalisierung und beginnt das Gespräch. Setzt Euch an einen Tisch!!!!!!
    Ich kann nicht für jeden Arzt sprechen, aber ich versuche sehr verantwortlich mit der Gesamtheit des Kindes- und Jugendalters umzugehen. Unabhängig von Firmeninteressen!
    Die Recherche wirkt auf mich zum Teil sehr subjektiv. Es gibt kaum wissenschaftlich belegte Quellen. Zudem gibt es viel, was in einem Studium fehlt, viel lernen die Ärzte nach dem Studium, etc.
    Wie jede Berufsgruppe, auch die Hebammen.

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    • Reply
      gaertnerin_Lena
      24. Juni 2015 at 22:32

      Hallo eine Kinderärztin,
      die Ärzteschaft beginnt neue Wege zu gehen, dass hoffe ich auch. Und trotzdem hat mir jeder Assistenzarzt/Medizinstudent den ich kenne (und das sind mittlerweile einige) bestätigt, was ich in diesem Artikel geschrieben habe.

      Die Allergieprävention, die sich beim zufüttern schon ab dem 4. Monat ergibt ist nur dann relevant, wenn beide Eltern hochgradig allergisch sind – ich habe die entsprechende Studie dazu gelesen. Diese Information hat sich aber eben nur bis zu dem Teil mit dem 4. Monat verbreitet – der Rest ist hinten runtergefallen. Und selbst, wenn man bei Kinderärzten mit den WHO-Empfehlungen argumentiert erntet man nur hohn und Spott.

      So oft wie ich jeden Tag lese: “Mein (Kinder)Arzt hat gesagt ich soll abstillen/mit 17 Wochen Beikost einführen/Muttermilch hat nach x Monaten keine Nährstoffe mehr/Medikament xy kann ich nicht nehmen weil ich stille/ich soll für eine Behandlung wiederkommmen, wenn ich abgestillt habe/ich soll meinem 8 Wochen alten Baby Tee geben etc. frage ich mich mittlerweile ernsthaft, wie es um die Verantwortung und Sorgfalt vieler Ärzte bestellt ist. Natürlich kann nicht jeder alles wissen – aber dann sollte man sich doch zumindest mit falschen Informationen und “Tipps” zurückhalten und an entsprechend ausgebildetes Fachpersonal weiterverweisen!

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  • Reply
    Eine Kinderärztin
    24. Juni 2015 at 22:29

    Ich habe versucht, die Inhalte der Hebammenausbildung zur recherchieren. Leider wurde ich nicht richtig fündig. Der Hebammenverband hat allgemein Kinderheilkunde aufgeführt, kein spezielles Ernährungsthema. Sicher organisiert das jede Schule selbst. Ich weiß aber auch, dass es nach der Ausbildung spezielle Kurse zur Stillberaterin gibt. Also nicht jede Hebamme ist automatisch eine Stillberaterin. Nicht jeder Kinderarzt ist automatisch ein Ernährungsberater.
    Enttäuschend ist die Pauschalisierung. Das zeigt, man möchte nicht den Dialog, sondern aus einer Richtung schießen. Löst das alle Probleme?
    Einige Hebammen klären, aus meiner Sicht zum Teil sehr einseitig über Impfungen auf. Woher kommt zum Beispiel das Wissen hierüber? Sollte man nicht aufhören, zu Dogmatisieren und den individuellen Weg für die Familien finden?
    Es sollte das Gespräch gesucht werden. Ich denke und hoffe besonders wir “jungen” Ärzte sind offen und bereit, zu lernen. Das würde ich mir von allen Seiten wünschen.

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  • Reply
    Eine Kinderärztin
    24. Juni 2015 at 22:47

    Es ist sehr schade, dass das Pauschalisieren in Deinen Kommentaren leider nicht aufhört. Dein Betrag trägt dazu bei, dass die Gespräche nicht beginnen. Ich hatte gehofft, Du denkst mal darüber nach.

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    • Reply
      gaertnerin_Lena
      24. Juni 2015 at 23:03

      Ich möchte sehr gerne in den Dialog gehen – aber dafür müsste es erst einmal gesprächsbereite Dialogpartner geben.Bisher habe ich keine gefunden.

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  • Reply
    Steffi Judex
    25. Juni 2015 at 07:58

    “Medikament xy kann ich nicht nehmen weil ich stille/ich soll für eine Behandlung wiederkommmen, wenn ich abgestillt habe”

    Schon alleine das hat mit Kinderärzten ja nun überhaupt nichts zu tun, oder? ;-) Das betrifft nämlich die Ärzte der Mütter, die sich da nicht ausreichend auskennen. Auch bei den anderen Aussagen, finde ich es immer ganz schwierig, das alleine den Kinderärzten zuzuschreiben, denn wieviele Eltern sind denn mit ihren Kindern beim normalen Hausarzt, der eine “Zusatzausbildung” für Kinder hat und deshalb von den Eltern auch als Kinderarzt bezeichnet wird?

    Und ich weiß nicht, wo genau sich mein Mann sein Ernährungswissen erworben hat, nein, ich weiß nicht, ob das an der Uni war, im praktischen Teil seines Studiums (der nunmal nicht Wort für Wort festgeschrieben ist), oder bei entsprechenden Fortbildungen. Ich kann Dir nur sagen, dass es nicht mit den Weisheiten von Hr. Dr. Hipp übereinstimmt. Ich wollte vor allem Deiner schon unterschwellig vorhandenen Unterstellung, alle KiÄ hätten ihr Wissen über Ernährung quasi nur von Hipp und Co. widersprechen, weil das so einfach nicht stimmt. Und mit der Fortbildungspflicht wollte ich vor allem darauf hinweisen, dass viele (Kinder-)ärzte durchaus bereit sind, für eine gute Fortbildung auch mal “50-125€” auszugeben (oder auch durchaus mehr). Und das jedes Jahr auch tun, z.B. eben in Brixen. Und das trifft nicht nur auf meinen Mann zu, sonder auch noch auf ein paar hundert andere KiÄ, die dort jedes Jahr anzutreffen sind. Und klar, dort gibt es nicht nur ernährungswissenschaftliche Seminare und Vorträge, aber eben auch!

    “Wenn tatsächlich alle Ärzte so gut in Ernährungsfragen ausgebildet wären frage ich mich ernsthaft, wie es dann zu diesen ganzen falschen Informationen kommen kann, die da von Ärzten weitergegeben werden?”
    Und da ist sie wieder die Verallgemeinerung – man sollte nie von allen sprechen, nein, weder im positiven noch im negativen Sinn. Es wird in jeder Berufsgruppe immer sowohl extrem engagierte Vertreter als auch schwarze Schafe geben. Und wie so oft im Leben ist es halt so, dass die negativen Aussagen und die “Probleme” einem besser im Gedächtnis bleiben, denn darüber wird gesprochen. Denn wer postet denn schon ohne Anlass im I-net: “Hilfe, mein Kinderarzt kennt sich doch tatsächlich total gut mit Kinderernährung aus und hat mir echt weitergeholfen bei Unsicherheiten diesbezüglich”? Nein, gepostet werden die Fälle, in denen was eben nicht gut läuft, was bedeutet es gibt keine faire Relation, in die man diese Aussagen setzen kann… nur mal so als Denkanstoss.

    Ich gebe Dir in einem völlig recht, es gibt sicher (Kinder-)Ärzte, die sich in dem Thema nicht gut genug auskennen und sich auch nicht ausreichend fortbilden. Genauso wie es Lehrer, Hebammen, Ingenieure, etc… gibt, auf die diese Anschuldigungen zutreffen. Ich finde es nur unfair, das der Mehrheit zu unterstellen, ohne das tatsächlich zu wissen oder belegen zu können. Denn es gibt Fortbildungen zu dem Thema. Es gibt die Möglichkeit, das durchaus fundiert im praktischen Teil des Studiums zu erlernen. Die Fortbildung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und Hipp und Co sind da nicht die einzig möglichen Wege.

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  • Reply
    Elisa
    25. Juni 2015 at 11:01

    Genau das ist das Problem!!
    Und natürlich glaubt man zunächst den Ärzten. Vor allem, wenn man selbst unsicher ist oder wirklich keine richtige Ahnung hat. Wie oft wurde ich schon von Freunden schief angeguckt, wenn ich schockiert fragte, wieso sie ihrem Säugling mit exakt 4 Monaten Brei einflößen wollen. “Na der Kinderarzt hat das geraten.”
    Säugling, Leute … nicht Breiling.

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  • Reply
    Jungärztin
    25. Juni 2015 at 15:34

    Also an meiner Uni wurde Stillen und Ernährung im Fach Pädiatrie ausführlich behandelt und es wurden eben auch die neuesten Erkenntnisse gelehrt. Man sollte also nicht pauschalisieren.

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    • Reply
      gaertnerin_Lena
      26. Juni 2015 at 00:05

      Schön, dass sich in dem Bereich anscheinend etwas verändert. Die Assistenzärzte und Medizinstudenten, die ich kenne haben mir da leideretwas völlig anderes berichtet :/

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  • Reply
    Steffi Judex
    25. Juni 2015 at 19:19

    Und doch gibt es eben auch die Kinder, die mit vier Monaten beikostreif sind – wir haben hier vier Kinder, davon haben Nr. 1 und Nr. 3 mit vier Monaten mit großer Begeisterung Brei gegessen, Nr. 2 und Nr.4 haben sieben bzw. acht Monate voll gestillt. Beides ist völlig in Ordnung und im Rahmen der Leitlinien, was spricht also dagegen 8es zu versuchen)? Nr. 3 hat übrigens “trotzdem” (und einen Schnuller hatte sie auch noch) über 19 Monate gestillt ;-)

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    • Reply
      gaertnerin_Lena
      26. Juni 2015 at 00:03

      Warum empfiehlt die WHo dann nach wie vorfür alle Länder 6 Monate vollstillen, wenn es eigentlich total beliebig ist?

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  • Reply
    Leni
    1. April 2016 at 21:51

    Genau, Ärzte sind zu doof Veranstaltungen, die von oder mit Babynahrungsgerstellern sind kritisch zu hinterfragen. Sie sind zu dämlich, um zu erkennen, dass ein Verkaufsinteresse dahinter stehen könnte. Und natürlich sind Ärzte zu dumm selbständig Informationen einzuholen.
    Und selbst wenn sie das z.B. beim Forschungsinstut für Kinderernährung machen, dann sind sie immer noch uninformiert. Als informiert gelten die erst wenn sie,
    1. komplett von Gläschen abraten
    2. allenfalls Selbstgekochtes okay finden
    3. aber eindeutig für BLW sind.

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    • Reply
      gaertnerin_Lena
      1. April 2016 at 21:55

      Das sind – leider – zumindest meine tagtäglichen Erfahrungen, ja.
      Was diese Übertreibung mit Gläschen und BLW hier soll weiß nicht – ist ja nicht so, als ob ich nicht alle meine Behauptungen im Text durch Quellen belegen könnte.
      Ich vermute, sie sind schlichtweg zu uninteressiert sich mit dem Thema Stillen so auseinanderzusetzen, wie es für viele nötig wäre, da sie ja laufend Ratschläge zu diesem Thema abgeben, oftmals auch ungefragt.

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  • Reply
    Leni
    1. April 2016 at 22:50

    Okay, halten wir fest: Ärzte sind zu blöd sich zu informieren – von mir aus. ;-)
    Heute gibt es Quellen, Belege und Studien für so ziemlich jede Behauptung. Man kann sich immer raussuchen was man gerne hätte.

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  • Reply
    Sarah
    28. September 2016 at 22:12

    Also ich hab mein Studium letztes Jahr beendet und hatte einige Vorlesungen zum Thema Ernährung von Kindern. Und während meines Praktikums auf der Kinderstation hat der Primar selbst eine Vorlesung für die Assistenzärzte und uns Studenten zu dem Thema gehalten.

    Über das Stillen muss ich zugeben hab ich rein theoretisches Wissen. Das liegt allerdings auch daran, dass einige Hebammen sehr ungern Medizinstudenten zu ihren Patientinnen lassen wollten.

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    • Reply
      Sarah
      28. September 2016 at 22:15

      Und ich hab auch die 6 Monat still Regel gelernt – bis dahin ist die Muttermilch der Beste Immunschutz für s Kind, erst dann ist dessen Immunsystem weit genug entwickelt um alleine zu arbeiten. :)

      Ich hab mich aber auch immer für Kinder interessiert ;)

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  • Reply
    Almarna
    29. September 2016 at 11:17

    Danke für dieses Post.

    Ich habe zwei Kinder und schätze unsere Kinderärztin sehr. Sie ist total zugewandt, berät bei allen Fragen, ist lieb zu den kleinen und großen Kindern, nimmt sich Zeit. Alles super.

    In Ernährungsfragen wende ich mich aber trotzdem lieber an meine Stillberaterin. Sie hat da einfach die bessere Ausbildung.
    Gerade diese Verdrehungen bei den Beikostempfehlungen find ich schlimm. Meine Kinder waren auch beide vor dem 6. Monat beikostreif. Sie haben alle Beikostreifezeichen erfüllt. Aber mit 4 Monaten wäre das selbst bei unseren Gern – und Vielessern zu früh gewesen. Und dann gibt es ja auch noch das Missverständnis, dass viele Leute glauben, wenn man mit Beikost beginnt, kann man Milchmahlzeiten weglassen. Das stimmt aber auch nur in ganz, ganz seltenen Fällen. Das hat unsere Ärztin aber auch anders erzähl und gemeint “Sonst bringen sie ihn ja nie los von der Brust.” Erm ja, es gibt total viele Erwachsene die zu Mutti heimfahren zum stillen….

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